30.09.2011
Weniger ist manchmal mehr …
Heute fand ich den “Gemeindebrief” unseres Stadtteils in unserem Briefkasten.
Ich habe zwar mit der Kirche nicht viel am Hut, dennoch fällt einem etwas auf, wenn man das “Fanzine” in den Händen hält.
Was schreibt der da? Fanzine? Wieso Fanzine?
Ja, richtig gelesen: Fanzine.
Damals, als ich noch jung war, da gab es diese Art von Mitteilungsblatt doch in vielen Underground-Musikbereichen.
Heute würde man vielleicht denglisch sagen: es waren “special interest Magazine”.
Ich weiß noch, dass beispielsweise EMP – oder auch einfache Fans der Musik als Autoren – diese Art der kopierten und zusammengetackerten Blätter nutzten, um Werbung zu machen oder einfach über ihre Lieblingsmusik zu schreiben.
Ich habe es geliebt – und liebe es heute immer noch – wenn es das denn in der Form noch vermehrt geben würde. Mir jedenfalls fehlt dieses spartanische Liebhaber”heftchen”. Heute findet man alles nur noch im Hochglanz gedruckt – oder online als PDF-Datei zum Download.
Genau die beschriebene Art der Fertigung hat doch den Reiz ausgemacht, hat gezeigt, dass der Macher mit Herzblut dabei ist.
Auf Schreibmaschine – oder altem 468er PC – geschriebene Stories und Interviews, ausgeschnittene und zusammengeklebte Logos – DAS war Kult!
Wir selbst arbeiten als Agentur natürlich heute auch digital, arbeiten mit Werbeagenturen und Grafikern zusammen, die genau diesen modernen Ansatz des Hochglanzes umsetzen.
Im Unternehmensbereich ist das ja eigentlich auch gut – zumindest ab einer gewissen Unternehmensgröße. Ja, wir predigen den Unternehmen sogar diese Form der Außenarstellung zu nutzen, um nicht unprofessionell zu wirken.
Es gibt dennoch ein großes AAAAAABER.
Dieses – mir thematisch eigentlich uninteressante – Kirchen-Fanzine hat etwas in mir wieder erweckt.
Ich habe es mir sogar aufgrund der Machart zumindest einmal angesehen und durchgeblättert.
Als Hochglanzmitteilung hätte ich es wohl sofort in den Müll geworfen, denn an eine Druckerei kann man solche Dinge immer schnell schicken und maschinell drucken lassen.
Bei diesen kopierten und mit Heftklammern unförmig zusammengbauten Blättern allerdings weiß man, dass ältere Damen und Herren einer Kirchengruppe sich viel Mühe gegeben haben, um ihrer Gemeinde und deren Interessenten diese Mitteilungen zu ermöglichen.
Und dieser Arbeit gebührt Respekt, denn, als ehemaliger Fanzine-Macher, weiß man um die Mühen und dem in das Produkt vergossene Herzblut.
Insofern bleibt auch beim “Kunden” der Eindruck haften: weniger ist manchmal tatsächlich mehr!
