21.07.2010
Fußball – nur noch Geschäft oder doch noch Sport?
Fußball ist heute ein Geschäft. Sehr zum Leidwesen der “echten” und traditionsbewußten Fußballfans. Matthew Bazell beschreibt beispielsweise in seinem Buch “The People’s Game?” (ISBN 978-3-9812649-6-8) seine Abkehr vom “modernen” Fußball. Er beschreibt, warum er vom Arsenal London Fan zum reinen Sympathiesanten abstieg, warum Eintrittspreise, Spielergehälter und sinkende Anzahl singender, feiernder Fußballfans ihm sein Hobby vermiest haben.
Tja, selbst in der 3. Liga gab es Zeiten, wo schon sehr gut verdienende Spieler boykottiert haben, weil sie mal einen Monat ihr Geld später oder mit Abzügen erhalten haben – der zahlungspflichtige Verein stand kurz vor dem Ruin, was die Spieler aber nicht interessierte.
Ist das alles also noch das, was man will? Ist das noch der ehrliche Fußballsport, den Uwe Seeler und Co. den vergangenen Generationen vorgelebt haben? Ist die Zeit, in der alleine ans Geld gedacht wird und der Sport mit all seinen wunderbaren Höhen und Tiefen nur noch zur Nebensache verkommt?
Nein. Es gibt auch heute noch rühmliche Ausnahmen.
Sami Khedira hat mich beispielsweise im Zuge der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika positiv überrascht. In einem Interview sagte er, dass es für ihn das Größte sei bei der WM für sein Land aufzulaufen. Er wisse nicht einmal was für Prämien für welche Plätze gezahlt würden. Ihm käme es nur darauf an, sportlich das Bestmögliche herauszuholen. Und zu guter letzt: er würde auch komplett ohne Prämienzahlungen für den DFB an der WM teilnehmen.
Sauber Sami, so will ich das hören!
Es gibt weitere positive Ausnahmen. So spielt z.B. die A-Jugendmannschaft des zuvor genannten Clubs aus Drittligazeiten in der Regionalliga Nord. Weite Fahrten und Spieler aus dem erweiterten Umland sorgen dafür, dass Kosten entstehen, die der recht klamme Club nicht immer aufbringen kann. So ist es die Konsequenz, dass die Spieler dieses Clubs ohne richtige Bezahlung dem Fußball nachgehen. “Ist doch selbstverständlich”, höre ich Euch nun raunen, “wir haben auch kein Geld in der Jugend erhalten!”
Sicherlich ist es für uns größtenteils noch selbstverständlich. Diese A-Jugend ist aber die einzige Mannschaft der Liga, in der die Spieler KEIN GELD erhalten. Auch das ist ein Zeichen für den Wandel des Fußballs in “modernere” Strukturen – ein fataler Weg meiner Meinung nach.
Nun werdet Ihr vielleicht sagen: “Ok, das ist ein Beispiel aus der Jugend, die Profis der Bundesligen sind nicht so zurückhaltend und bescheiden.”
Aber auch hier gab es in heutigen Gazetten eine sehr schöne Ausnahme zu lesen, den DSC Arminia Bielefeld.
Der jetzige 2. Ligist ist knapp bei Kasse, die Lizenz wurde nur unter allergrößten Anstrengungen ermöglicht. Spielraum für besondere Behandlungen der Profis gibt es also nicht. Trainingslager in Dubai oder sonstigen Orten der Welt mit erstklassigen 5*-Hotels sind unter den Umständen nicht machbar.
Damit aber die Mannschaft überhaupt in ein Trainingslager in Bad Füssing absolvieren kann, hat der neue Trainer Christian Ziege wohl in seine eigene Tasche gegriffen und einen fünfstelligen Betrag beigesteuert. Die Spieler haben zudem ihre Flugtickets selbst bezahlt.
Man sieht, der Fußball bietet auch traditionellen Schwarzmalern immer mal wieder das Gefühl der guten alten Zeit.