Archiv für das Tag 'Fußball'

Fußball ist heute ein Geschäft. Sehr zum Leidwesen der “echten” und traditionsbewußten Fußballfans. Matthew Bazell beschreibt beispielsweise in seinem Buch “The People’s Game?” (ISBN 978-3-9812649-6-8) seine Abkehr vom “modernen” Fußball. Er beschreibt, warum er vom Arsenal London Fan zum reinen Sympathiesanten abstieg, warum Eintrittspreise, Spielergehälter und sinkende Anzahl singender, feiernder Fußballfans ihm sein Hobby vermiest haben.

Tja, selbst in der 3. Liga gab es Zeiten, wo schon sehr gut verdienende Spieler boykottiert haben, weil sie mal einen Monat ihr Geld später oder mit Abzügen erhalten haben – der zahlungspflichtige Verein stand kurz vor dem Ruin, was die Spieler aber nicht interessierte.

Ist das alles also noch das, was man will? Ist das noch der ehrliche Fußballsport, den Uwe Seeler und Co. den vergangenen Generationen vorgelebt haben? Ist die Zeit, in der alleine ans Geld gedacht wird und der Sport mit all seinen wunderbaren Höhen und Tiefen nur noch zur Nebensache verkommt?

Nein. Es gibt auch heute noch rühmliche Ausnahmen.

Sami Khedira hat mich beispielsweise im Zuge der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika positiv überrascht. In einem Interview sagte er, dass es für ihn das Größte sei bei der WM für sein Land aufzulaufen. Er wisse nicht einmal was für Prämien für welche Plätze gezahlt würden. Ihm käme es nur darauf an, sportlich das Bestmögliche herauszuholen. Und zu guter letzt: er würde auch komplett ohne Prämienzahlungen für den DFB an der WM teilnehmen.

Sauber Sami, so will ich das hören!

Es gibt weitere positive Ausnahmen. So spielt z.B. die A-Jugendmannschaft des zuvor genannten Clubs aus Drittligazeiten in der Regionalliga Nord. Weite Fahrten und Spieler aus dem erweiterten Umland sorgen dafür, dass Kosten entstehen, die der recht klamme Club nicht immer aufbringen kann. So ist es die Konsequenz, dass die Spieler dieses Clubs ohne richtige Bezahlung dem Fußball nachgehen. “Ist doch selbstverständlich”, höre ich Euch nun raunen, “wir haben auch kein Geld in der Jugend erhalten!”
Sicherlich ist es für uns größtenteils noch selbstverständlich. Diese A-Jugend ist aber die einzige Mannschaft der Liga, in der die Spieler KEIN GELD erhalten. Auch das ist ein Zeichen für den Wandel des Fußballs in “modernere” Strukturen – ein fataler Weg meiner Meinung nach.

Nun werdet Ihr vielleicht sagen: “Ok, das ist ein Beispiel aus der Jugend, die Profis der Bundesligen sind nicht so zurückhaltend und bescheiden.”

Aber auch hier gab es in heutigen Gazetten eine sehr schöne Ausnahme zu lesen, den DSC Arminia Bielefeld.
Der jetzige 2. Ligist ist knapp bei Kasse, die Lizenz wurde nur unter allergrößten Anstrengungen ermöglicht. Spielraum für besondere Behandlungen der Profis gibt es also nicht. Trainingslager in Dubai oder sonstigen Orten der Welt mit erstklassigen 5*-Hotels sind unter den Umständen nicht machbar.

Damit aber die Mannschaft überhaupt in ein Trainingslager in Bad Füssing absolvieren kann, hat der neue Trainer Christian Ziege wohl in seine eigene Tasche gegriffen und einen fünfstelligen Betrag beigesteuert. Die Spieler haben zudem ihre Flugtickets selbst bezahlt.

Man sieht, der Fußball bietet auch traditionellen Schwarzmalern immer mal wieder das Gefühl der guten alten Zeit.

Ein Aufschrei ging durch die Bundesliga, als es hieß, dass Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne als erster Investor im Rahmen des Projekts Anstoß³ dem HSV einen (oder mehrere) Spieler finanzieren könnte. Nun ist es soweit, Kühne stellt dem HSV insgesamt 15 Mio Euro zur Verfügung und ist im Gegenzug am Transfererlös einiger Spieler beteiligt. Den HSV-Fans war diese Geschichte zutiefst suspekt und auch Bayern München Chef Rummenigge verhöhnte den HSV.

Sicherlich ist dieses Modell nicht sonderlich neu und hat in der Vergangenheit einige Probleme verursacht. Man muß nur mal die Bremer bzgl. der Personalie Carlos Alberto befragen. Aber, auch der 1. FC Kaiserslautern hat Transferrechte als Sicherheit für Darlehen abgegeben – Vorreiter gab es also bereits auch in Deutschland.

Die größte Angst ist hierbei die, dass man seine Unabhängigkeit verlieren könnte. Dass einem Club die Investoren in die Transferpolitik hineinreden könnten, dass Transfers ausschließlich aus Gründen der Wiederverkaufbarkeit getätigt werden, und nicht, weil man es sportlich für angemessen hält. Diese Angst ist mit Sicherheit nicht ganz unbegründet und würde aus Fansicht einen weiteren Schritt in die falsche Richtung bei der Entwicklung des modernen Fußballs bedeuten.

Nachdem “50+1″ erfolgreich verteidigt wurde befürchtet man nun einen “Angriff der Investoren” auf anderem Wege.

Aber das “Modell MSI” (MSI kaufte sich beim Club Corinthians ein, um dort immer wieder “Wirtschaftstransfers” tätigen zu können) wird es meiner Meinung nach in Deutschland nicht geben (können). Dafür reagieren DFB, DFL und auch die Verein zu allergisch auf den Begriff “Investor”. Das “Modell-Kühne” allerdings ist eine Light-Version und wird keine negativen Auswirkungen auf die Bundesliga, den HSV, seine Philosophie oder seine Fans haben. Solange es transparente Modelle gibt, bei denen Mitglieder und Funktionäre genau wissen, wie das Modell funktioniert, solange werden etliche Varianten solcher Modelle kommen und gehen.

Trotzdem sollte man immer Hinterfragen und nicht alles abnicken, dann klappt es auch mit dem Fußball.

Die Ohren sind grade den letzten Vuvuzela-Klängen entkommen, die Nationalmannschaft ihren Fans am Frankfurter Flughafen ebenso, da laufen schon die ersten Werbungen via TV: Sky bietet für 19.90 Euro im Monat bis Januar 2011 Bundesligafußball LIVE an. Das Kleingedruckte, wonach ab Januar dann wieder mindestens 32 Euro fällig werden, wird immer kleiner gedruckt.

Ich frage mich immer noch, ob und warum die Strategen der Sender, egal ob Sky oder seinerzeit Premiere, es noch nicht kapiert haben: mit einem solchen Preis ist der Otto-Normal-Fußballfan nicht zu bekommen.

Ich gehe nach wie vor jede Wette ein: ein “Sky-Follow-Your-Team-Ticket” für 10-15 Euro im Monat (also alle Spiele des Lieblingsteams – egal ob Freundschaftskick, Pokal oder Liga verfolgen) würde einen wesentlich höheren Umsatz generieren. Zudem würde das wie ein Lauffeuer rumgehen, so dass man sogar Werbeetats kürzen könnte. ;)

Uwe Seeler kann man einfach sagen, dass er bitte ruhig sein soll – wenn er nervt. Aber den Vuvuzelas bei der WM in Südafrika … da wird es schon etwas schwieriger.

Heute morgen im Radio dann kam der Hinweis, dass es eine Möglichkeit gibt die Vuvuz am TV zu minimieren.

Auf der Webseite von T-Online dann war zu lesen, was man machen soll.

Ich freue mich darauf nachher nach Hause zu kommen, um das zu probieren.
Ich hoffe es wirkt, damit ich wieder WM mit Ton ansehen kann.

Für alle Interessierte hier der Link.

Was tun Hooligans an einem Valentinstag? Wem schütten sie ihr Herz aus?
Das fragten wir uns ja bereits schon einmal. Diese wirklich gelungene Kampagne von Puma gibt es natürlich auch in der italienischen Version, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Schaut es Euch an, irgendwie wirken die Jungs auch hier auf einmal richtig kuschelig und nett.

Sehr schöne Kampagne des Herstellers Puma.
Was tun Hooligans an einem Valentinstag? Wem schütten sie ihr Herz aus? Schaut es Euch an, irgendwie wirken die Jungs auf einmal richtig kuschelig und nett. Vielleicht aber auch deshalb, weil ich englische Fangesänge liebe und mir jedesmal eine Gänsehaut garantiert ist.

Manchmal muß ich mich doch stark wundern.

Auch Fußballvereine haben das Anliegen Umsätze zu machen.

Das hatte ich bislang jedenfalls geglaubt.

Einen Teil dieser Umsätze macht das Merchandising aus. Im Vergleich zum Sponsoring und der generellen Werbevermarktung ist das natürlich nur ein kleiner Teil. Aber Vereine machen immer wieder einen Fehler. Sie scheinen oft nicht zu verstehen, dass für den Fan (und damit der meiner Meinung nach wichtigsten Anspruchsgruppe des Geschäfts) das Merchandise neben dem Sport eine elementare Rolle einnimmt. Nur mit Merchandise kann er nach aussen seine Liebe und seine Treue zum Verein ausdrücken. Stolz trägt er sein Trikot, sein T-Shirt, sein Baseball-Cap oder zückt sein Portemonnaie (oder Portmonee?) mit dem Vereinswappen. Immer wieder werden neue Trikots gekauft, manchmal auch zwei oder drei – mit verschiedenen Aufdrucken von Spielernamen. Es gibt also ein großes Potenzial.

Nun ist aber die alles entscheidende Frage: was wollen die Fans eigentlich?

Oder ist diese Frage doch nicht so wichtig?

Denn der Knackpunkt ist: viele Merchandiser scheint das nicht zu interessieren. Nur so kann ich mir erklären, warum mir immer wieder Kataloge um die Ohren fliegen, die eine derart große Menge an unmöglichem, unnützem und unnötigem Artikeln beinhalten.

Im Managerbereich werden immer wieder ehemalige Spieler eingestellt, “weil die das Geschäft kennen.”
Warum also werden für den Merchandisebereich nicht auch Leute eingestellt, die sich mit der Thematik auskennen?
Fans oder zumindest fannahe Personen sollten hier die Verantwortung tragen, denn die wissen meist was der Pöbel wirklich möchte.

Hundeleibchen mit Wappen sind ja im ersten Moment ganz witzig anzusehen, aber wer bitteschön braucht sowas?
Bei Oberligisten kann ich ja noch verstehen (oder zumindest verzeihen), wenn man dort nicht den Überblick hat, bzw. die Erfahrung im Umgang mit solchen Dingen nicht vorhanden ist. Hier ist auch oftmals eher das Problem, dass zu wenig Artikel vorhanden sind – und die vorhandenen nicht grade – sagen wir – “schön” sind.
Bei Bundesligisten allerdings kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wozu haben die denn Marketing-/Merchandiseabteilungen, wenn dort eh keiner Ahnung zu haben scheint? Immer und immer wieder schütten sich Fans aus vor Lachen oder schreiben die Internetforen voll mit Unverständnis über besagte Merchandise-Fehler, aber es scheint nicht wirklich jeder in den Marketingabteilungen zu begreifen. Es kristallisiert sich auch bei den Fanvereinigungen immer wieder heraus, dass Textilien (Shirts, Schals, Pullover etc.) und Dinge wie Pins, Aufnäher oder Aufkleber das Nonplusultra sind.

Warum also werden nicht vermehrt verschiedene Motive der Verkaufsschlager aufgelegt, sondern immer wieder Müll, der keinen interessiert? Ein Fan ist oftmals schmerzfrei in seinem Konsum, keine Frage, aber er ist nicht dumm. Irgendwann reicht es auch ihm und der offensichtlichen Ausrichtung: “Konsum und Kommerz sind alles!”.

Bei den Traditionalisten jedenfalls geht es schon oftmals in Richtung Imageschädigung des geliebten Vereins.

Und jetzt sei die Frage erlaubt: ist das wirklich im Sinne der Vereine?

Es werden etliche Umfragen zu Themen gemacht, die einem alltäglich begegnen, warum also kann eine Marketingabteilung eines Fußballvereins nicht mal zum für den Fan alltäglichen Thema “Club” Umfragen starten? Nur so erfährt man doch letztlich das, was die Fans wollen. Als Nebeneffekt kommt beim Fan das Gefühl auf: “Da kümmert sich jemand um das, was wir wollen. Man interessiert sich für meine persönliche Meinung.” Und das ist ein richtig gutes Gefühl.

Der Kunde ist König, der Fan nur ein Geldlieferant?

Ich bin in zwei Vereinen seit mehreren Jahren Mitglied – sowohl Oberliga, als auch Bundesliga – aber mich hat noch nie jemand danach gefragt, was ich gerne als Merchandiseartikel hätte.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich keins kaufe.

Eigentlich schade.

Ich möchte Euch einen wunderbaren Artikel von Togo (http://togo.marill.de) nicht vorenthalten, der aus Marketing-Sicht gar nicht so dumm ist- aus Fußballfan-Sicht schon gar nicht.

“Stell Dir vor, Du wirst Deutscher Meister – und keinen interessiert’s! So oder so ähnlich müssen sich die akribischen Planer bei Volkswagen fühlen, nachdem ihre Betriebsfußballmannschaft am Sonnabend die Bundesligasaison als Tabellenführer beendete. Denn, schneller dürfte die deutsche Fußballöffentlichkeit noch nie über einen Meister hinweggegangen sein. Aber das hat seine Gründe. Denn der neue Deutsche Meister ist nichts anderes als ein Schlag ins Gesicht jedes Fußballfans.

Natürlich, Fußball ist längst ein Geschäft geworden. Allerdings nur für die Vereine und ihre Sponsoren. Für die Fans ist es viel mehr. Es ist Leidenschaft, Treue, nicht selten Liebe. Den Partner wechselt man im Laufe seines Lebens schon mal. Den Verein nicht.

All das sind Attribute, die mit dem VfL Wolfsburg beim besten Willen nicht in Verbindung gebracht werden können. Der VfL ist künstlich durch und durch. Lebensunfähig ohne die VW-Millionen, denn die Fußballfans der Region Ostniedersachsen zeigen der Werkself nach wie vor die kalte Schulter. Würde Volkswagen nicht für jedes Pflichtspiel seiner Fußballer eine satte Anzahl Freikarten verteilen lassen – es wäre noch offensichtlicher, als es jetzt schon ist.

Ausgerechnet dieses Kunstprodukt ohne Seele (das dazu noch zu 100% Volkswagen gehört, also noch nicht mal ein echter Verein ist) ist jetzt also Deutscher Meister geworden. Und? Oder besser: Na und? Es interessiert eigentlich niemanden so richtig. Ein Betriebsunfall, mehr nicht.

Das Verblüffendste an der Meisterschaft des VfL ist aber, dass sich ausgerechnet jetzt, im eigentlichen Moment des Triumphs, der Werbeeffekt für die Marke Volkswagen komplett ins Gegenteil verkehrt. Denn weniger Sympathien als zurzeit hatte der Autobauer wohl noch nie unter den deutschen Fußballfans. Negativwerbung vom Feinsten also – aber damit hätte man rechnen müssen. Denn Volkswagen hat den emotionalen Faktor komplett außer Acht gelassen. Und Emotionen kann man nicht so einfach kaufen wie sportliche Erfolge. Der VfL wird bundesweit als Werkself erkannt – und abgelehnt. Folgerichtig springt das negative Image des VfL auf den Eigentümer Volkswagen über. Gerade jetzt, besonders nach der Meisterschaft.

Cleverer wäre es von Volkswagen gewesen, dem tatsächlichen Herz der Fußball-Region – Eintracht Braunschweig – unter die Arme zu greifen und den Verein in die Bundesliga zurück zu führen. Mit einer solchen Strategie – die höchstwahrscheinlich auch noch um einiges billiger gewesen wäre als das Aufrüsten des VfL – hätte Volkswagen den Menschen in Ostniedersachsen einen Traum erfüllt und bundesweit gezeigt, dass man sich mit der Region verbunden fühlt. Doch stattdessen setzte Volkswagen den Menschen einen Plastikclub vor die Nase. Gepusht mit einer mindestens dreistelligen Summe an Euro-Millionen wurde hier im Sauseschritt die Wachablösung vollzogen. Aber wurde sie das wirklich? Der VFL wurde zwar Meister. Aber irgendwie hat das keiner gewollt. Zwar wurde am Sonnabend in der Stadt viel gefeiert. Aber wer von den Partygängern war Fußballfan? Und wer wollte nur das Event mitnehmen? Der Eindruck, dass der überwiegende Teil der Menschen dabei war, um einfach nur zu feiern (der Anlass war egal), drängt sich auf. Keine Herzenssache. Keine Emotionen. Keine Liebe.

Wer 2002 den Wiederaufstieg Eintracht Braunschweigs in die zweite Bundesliga (!) erlebt hat, weiß, wie frappierend die Unterschiede sein können. Damals trug eine ganze Region blau-gelb. Der Schlusspfiff der Partie gegen Wattenscheid 09 war der Anpfiff einer die ganze Nacht dauernden Party. Und nicht wenige haben die Woche komplett durchgefeiert. Wie hätte es in Ostniedersachen bloß ausgesehen, wenn Eintracht Braunschweig Sonnabend wieder Deutscher Meister geworden wäre? Eine Region – zwei vollkommen verschiedene Mentalitäten. Welche davon besser geeignet ist, Werbebotschaften positiv zu vermitteln, dürfte auf der Hand liegen.

Wahrscheinlich wünscht man sich bei Volkswagen mittlerweile, man hätte damals, als man sich dazu entschloss, den uninteressanten Oberligisten VfL Wolfsburg in die Bundesliga zu hieven, etwas mehr Zeit in die Analyse der Eigenschaften und Eigenarten von Werbeträgern investiert. Denn dann hätte man viel Zeit und Geld sparen können. Und müsste jetzt nicht das negative Markenimage irgendwie wieder ausbügeln.”

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